
Früher hatte man am Barbaratag, dem 4. Dezember, Zweige von Obstbäumen geschnitten und im Zimmer in einer Vase aufgestellt. Um die Weihnachtszeit öffneten sich die ersten Blüten. Sie brachten Licht in die düstere Jahreszeit und versinnbildlichten den Fortgang des Lebens.
Seit etlichen Jahren schon blühen die Barbarazweige nicht mehr oder nur unzuverlässig auf. Bedingt durch den Klimawandel tritt bei uns der Winter inzwischen deutlich später ein, die Temperaturen liegen höher und die Gehölze haben bis Anfang Dezember noch nicht ausreichend viele Kältestunden erfahren.
Es muss für eine Weile kalt gewesen sein, damit Blütenknospen aufgehen können – bei Apfelbäumen rechnet man mit einem Zeitraum von sechs Wochen mit Temperaturen unter 6°C. Erst danach registrieren die Blütenknospen wieder steigende Temperaturen als Anreiz dafür, dass der Winter vorbei ist und es somit Zeit wird zum Aufblühen.
Von verschiedenen Gehölzen, die im Frühjahr blühen, kann man Barbarazweige schneiden, zum Beispiel von Kirschen, Zwetschgen, Forsythien, Weiß- und Rotdorn.
Damit die Zweige wirklich aufblühen, sollte man sie einige Zeit später schneiden: Ende Dezember geschnittene Zweige blühen im Januar spektakulär auf, wenn es zuvor lange genug kalt gewesen ist. Man kann die geschnittenen Zweige auch für einige Zeit ins Gefrierfach legen, um ihnen die benötigten Kältereiz zukommen zu lassen. Blüten entwickeln sich selbstverständlich nur an Zweigen mit Blütenknospen. Man erkennt sie gut, weil sie dicker und größer sind als Blattknospen.

Der immer öfter zu beobachtende Wechsel von tiefen und ungewohnt hohen Temperaturen bringt die natürlichen Rhythmus durcheinander. Zum Beispiel hatten im Oktober einige Zierkirschen geblüht.
Tückisch sind die extremen Wechsel zwischen plötzlich tiefen und dann wieder ungewohnt hohen Temperaturen: Wenn aber nach starkem Frost im November wieder milde Witterung eintritt, kann es sein, dass Knospen empfindlicher Gewächse mit dem Austrieb beginnen. Sie erfrieren dann leicht , wenn es wieder kälter wird.