Seit 16. April gilt für Mähroboter ein nächtliches Betriebsverbot im gesamten Landkreis Esslingen. Die Allgemeinverfügung des Landratsamtes ist online unter Bürgerservice/Amtliche Bekanntmachungen einsehbar. Sie hat bis zum 31. Oktober Gültigkeit. Die Inbetriebnahme von Mährobotern ist täglich ab einer halben Stunde vor Sonnenuntergang bis eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang (MEZ) am Folgetag untersagt. Man will damit vor allem Igel schützen, die nachts aktiv sind, aber auch andere Tiere wurden von Mährobotern geschreddert.
Ausführlich informiert das Landratsamt hier über den Schutzbedarf von Igeln und der Verletzungsgefahr durch Mähroboter.

Rund 20 Personen aus verschiedenen Gruppierungen hatten am 4. Februar über die brisante Situation der Igel gesprochen. Anlass war der Besuch der grünen Landtagskandidatin Clara Schweizer, der grünen Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer und Theresa Fidušek, Sprecherin der grünen Jugend Baden-Württemberg, bei den engagierten Igelrettern Waltraud Hoyer und Heino Pauly in Neckartenzlingen.

Waltraud Hoyer hat im vergangenen Jahr 262 Igel betreut, so viele wie noch nie. Viele Tiere waren ausgehungert oder krank. Von den gezählten Tieren wurden manche nur eine Weile gefüttert, alle wurden entfloht, sehr viele medizinisch behandelt, etliche wochenlang gepäppelt. Dies bedeutet oft, dass die Tiere in den Nachtstunden überwacht werden müssen und manchen kleinen Babys wird alle paar Stunden Nahrung eingeflößt (rund um die Uhr).
Über die desolate Situation der Igel und anderer Wildtiere sprachen Igelpäppler, die Leiterin des Kleintierhauses beim Tierheims Reutlingen, Sabine Mayer, und Vertreterinnen des NABU. Die vielen Ehrenamtlichen sind inzwischen an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit gekommen. Auch die Mitarbeiter des Tierheims Reutlingen sind mit der Pflege von Igeln überfordert. Das Tierheim soll sich um Haustiere kümmern, etwa um herrenlose Hunde und Katzen. Für Wildtiere gibt es kein Budget und die Angestellten nehmen kranke Igel mit nach Hause, um sie dort ehrenamtlich zu betreuen.
Zur Arbeitsbelastung und zum psychischen Stress im Umgang mit kranken Tieren kommt die finanzielle Last. Die Behandlung von Wildtieren bei Tierärzten muss besser finanziert und geregelt werden, so das Fazit. „Wir brauchen Wildtierauffangstationen mit Fachpersonal.“ So lautet eine Forderung der ehrenamtlichen Igelpäppler an die Politik.

Die Igel finden in unseren Siedlungen und in der ausgeräumten Agrarlandschaft viel zu wenig Nahrung und kaum noch Unterschlupf. Es braucht ein gesamtgesellschaftliches Umdenken, hin zu naturnahen Gärten, wie es der NABU befürwortet. Außerdem plädieren die Igelpäppler für ein nächtliches Betriebsverbot für Mähroboter sowie für eine Art Führerschein zum Bedienen von Gartengeräten. Denn die dramatischen Verletzungsfälle nehmen zu.
Einen Igel für kurze Zeit in Pflege zu nehmen, kann man jedem nur empfehlen. Es sind so sympathische Tiere.

Igel finden immer weniger Lebensraum in unseren Gärten und immer weniger Nahrung. Vor allem müssen sie den Winter über schlafen. Wie igelfreundliche Gärten aussehen, machen engagierte NABU-Mitglieder vor. Sie kümmern sich im Herbst und Winter auch um zu leichte oder kranke Igel.
Unsere versierten Igelfreundinnen geben Rat, wenn hilfsbedürftige Igel gefunden werden oder wenn Tiere vorzeitig aus dem Winterschlaf erwacht sind. Sie haben zudem Erfahrung in der Behandlung von Krankheiten und Parasitenbefall.

In den Gärten sieht man im Herbst Igel umherstreifen. Sie suchen ein Quartier für den Winterschlaf und scharren dafür Laub zusammen. Menschliche Hilfe brauchen die meisten Tiere dann noch
nicht. Solange die Igel Nahrung finden, nehmen sie weiter an Gewicht zu. Zur Winterruhe können sie sich gar nicht begeben, solange die Temperaturen hoch sind.
Offensichtlich kranke Tiere brauchen aber Hilfe. Weil unsere engagierten ehrenamtlichen Igelpäppler im Moment völlig überlastet sind, verweisen wir auf das Tierheim in Filderstadt-Bonlanden. Man
nimmt dort pflegebedürftige Igel aus Aichtal auf. Liegt tagsüber ein Igel apathisch in der Wiese, kann ihn nur noch die intensive Pflege von Igelpäpplern retten. Will man einem schwer erkrankten
Tier Leid ersparen, kann man es nur noch zum Einschläfern in die Tierarztpraxis bringen. Das ist traurig.

Wir müssen uns leider vor Augen führen, dass die Tiere in unseren Siedlungen keinen Lebensraum und insgesamt nicht ausreichend Nahrung finden. Schotterflächen und kurz gemähter Rasen erweisen sich als lebensfeindlich. Zum Überleben brauchen Tiere eine große Vielfalt an Pflanzenarten und ein Igel will sich zur Winterruhe ein geschütztes Nest unter Sträuchern mit weichem Blattpolster einrichten.
Man darf einen Garten im Herbst nicht völlig abräumen und das Falllaub schichtet man am besten unter Gehölzen oder auf den Beeten auf.
Damit ein Igel den Winter sicher übersteht, sollte er bei uns im Unterland ein Gewicht von mindestens 600 g auf die Waage bringen.
Auf Schotterflächen und zugepflasterten Einfahrten findet ein Igel nichts zu fressen, Steinpalisaden kann er nicht überwinden. Futter gibt es für ihn zwischen blühenden Sommerblumen und Stauden,
gut geht es ihm, wenn er in einem Schälchen Wasser trinken kann und untertags verkriecht er sich am liebsten unterm Holzhaufen oder in der Laubstreu von Gehölzen.
Dort wäre er sicher vor Gerätschaften.
Wer einen kranken Igel findet oder ein Tier, das sich merkwürdig verhält, kann beim Tierheim Filderstadt sachkundigen Rat einholen (0711 7775666).
Mehr Informationen, um Igeln ein Quartier für den Winterschlaf zu bieten, finden sich unter:
www.nabu-metzingen.de/igelhilfe
Wertvolle Hinweise:
www.weltderigel.de/igel-gefunden/
Notfallnummer: 0751 5578890
Im September 2021 hatte Ruth Hiemer aus Schlaitdorf eine Igelin mit ihrem großen Wurf aus einem Tierheim übernommen - keines der Kleinen wog über 60 Gramm.
Die ganze Geschichte finden Sie hier.
Wie viel Freude es bereitet, Igel zu hätscheln, hat auch Birgit Schmidt aus Neckartenzlingen erlebt. Sie kümmerte sich um eine kranke, von Zecken geplagte Igelin, die sich dank der guten Nahrung allmählich erholt hat.