Nachhaltige Landnutzung

Naturschutz lässt sich im Siedlungsraum verwirklichen. Dies wurde bei der Führung am Rand von Wolfschlugen am 22. Juli 2021 deutlich. Vertreter von Behörden und Naturschutzverbänden trafen sich, um sich über stadtregionale Ausgleichsstrategien zu informieren, die eine nachhaltige Landnutzung zum Ziel haben. Gefördert werden die besichtigten Maßnahmen durch das Programm Stadt-Land-Plus des Bundes, die Betreuung geschieht durch das Institut für Landschaftsarchitektur der RWTH Aachen im Rahmen des Projektes RAMONA.

Prof. Dr. Christian Küpfer von der HfWU Nürtingen erläuterte die Hintergründe der Planung und den Ablauf der Durchführung. Wichtigster Punkt der Maßnahmen war der Schutz des Siedlungsraumes vor Starkregenfällen. Wolfschlugen liegt in einer Senke, wo Wasser zusammenfließt. Kann sich Wasser sammeln, dann versickert es bald im Boden. Doch das Wasser muss eine Weile aufgestaut werden, damit die Wohnhäuser vor Überflutung geschützt bleiben. 

 

 

Bürgermeister Mathias Ruckh zeigt sich zufrieden darüber, wie das neu entstandene Biotop Riederwiesen in unmittelbarer Nähe der Bebauung, unweit des Waldfriedhofs, von der Bevölkerung als Naherholungsgebiet angenommen wird. Auwald ist bereits hoch gewachsen und entlang des Wasserlaufes herrscht an heißen Tagen ein angenehm kühles Klima.

Das Gewann Riederwiesen zeigt, wie sich der zunehmende Bedarf an Siedlungsraum mit Belangen des Naturschutzes vereinbaren lässt. In Abstimmung mit den Landwirten, die Felder am Rand des Wassergrabens bewirtschaften, wurden naturbelassene Wiesen geschaffen. Mädesüß und Blut-Weiderich locken im Juli zahlreiche Schmetterlinge an.

 

 Auf den Wiesen blüht der Große Wiesenknopf und man hofft, dass sich der seltene Ameisenbläuling einfindet, der seine Eier in diese Blütenstände ablegt.

 

Drei niedrige Dämme, die quer zum Wassergraben verlaufen, wären in der Lage, Starkregenfälle aufzufangen, um das Wasser langsam versichern zu lassen. Die Feuchtwiesen schützen dadurch das Neubaugebiet in der Verlängerung der Wielandstraße sowie die ältere Bebauung.

Am südlichen Ortsrand von Wolfschlugen soll eine weitere Fläche zum Auffangen von Starkregenfällen entstehen. Dort wird bald mit dem Bau eines niedrigen Dammes begonnen.

 

Zwischen den vielen Maisfeldern befinden sich einzelne Blühflächen, die Rebhühnern wieder ein Revier anbieten sollen. Einzelne Rebhühner breiten sich von den Fildern her kommend nach Süden weiter aus. Es ist zu hoffen, dass die selten gewordenen Vögel Lebensraum finden können. Sie brauchen offenes Land, doch auch Begrenzungen in Form von Hecken. Eine Aufgabe wird in Zukunft darin bestehen, die Flächen für den Maisanbau zu reduzieren. Die Kultur von Mais erweist sich als zunehmend problematisch, weil früher als bisher, nämlich bereits im Juni, Starkregenfälle auftreten. Zu dieser Zeit ist der Mais noch nicht hoch gewachsen, dadurch kommt es zu starken Abschwemmungen.

Wie passen Artenschutz, naturnahe Erholung, Ausgleichsmaßnahmen und regionaler Anbau von Nahrungsmitteln zusammen?

Das Verbundprojekt RAMONA untersucht, inwieweit sich auf begrenzter Fläche Lebensräume für bedrohte Arten schaffen lassen, wobei landwirtschaftliche Flächen erhalten bleiben sollen. Es geht außerdem darum, zukunftsfähige Lösungen zur Klimaanpassung zu finden und gleichzeitig soll der  stadtnahe Freiraum für die Bevölkerung zur Erholung dienen. Kompensationsmaßnahmen bieten ein großes Potenzial, wie sich in Wolfschlugen zeigt.